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Kalenderblatt: Huaorani-Missionare

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Heute vor 70 Jahren, am 8.1.1956, wurden die fünf „Auca-Missionare“ Jim Elliot, Nate Saint, Ed McCuly, Pete Flemming und Roger Youderian nur fünf Tage nach der ersten Landung im Stammesgebiet ermordet. Ihr Tod war kein Unfall, kein Zufall, kein politisches Ereignis – sondern die Folge einer bewussten Entscheidung. Sie waren Missionare, die ein indigenes Volk erreichen wollten, das bis dahin als unzugänglich und gewalttätig galt. Ihr Einsatz wurde weltweit bekannt. Und ihre Geschichte prägte eine ganze Generation.

Die Huaorani, auch Waorani genannt, lebten tief im ecuadorianischen Amazonasgebiet – isoliert, ohne Kontakt zur modernen Welt. In der Region wurden sie von den benachbarten Kichwa – einer bereits missionierten indigenen Volksgruppe mit Wurzeln in der Quechua-Sprachfamilie – abfällig als „Auca“ bezeichnet, was so viel bedeutet wie „Wilde“. Dieser Begriff fand auch in westlichen Berichten und Missionskreisen Verwendung, gilt heute jedoch als respektlos. Über Jahrzehnte hinweg hatte sich niemand mehr getraut, direkten Kontakt mit dem Stamm aufzunehmen. Frühere Annäherungen – etwa durch Ölgesellschaften oder andere Einheimische – hatten mehrfach in tödlicher Gewalt geendet.

Trotzdem war da eine kleine Gruppe junger Christen, die überzeugt war, dass das Evangelium auch den entferntesten Volksgruppen gelten müsse. Dass kein Mensch so fern, kein Stamm so gefährlich war, dass er ausgeschlossen bleiben sollte von der Botschaft von Jesus Christus. Sie kamen nicht, um den Huaorani ihren Lebensstil überzustülpen – sondern, um ihnen Hoffnung zu bringen. Ihr Ziel war nicht kulturelle Anpassung, sondern echte Begegnung auf Augenhöhe.

Wäre diese traurige Geschichte hier zu Ende, hätte ich dieses Kalenderblatt besser nicht geschrieben. Aber sie wurde zu einer Geschichte der Hoffnung.

Nach dem gewaltsamen Tod ihrer Angehörigen entschieden sich Elisabeth Elliot (Witwe von Jim) und Rachel Saint (Schwester von Nate), ihre Arbeit in Ecuador fortzusetzen. Sie glaubten, dass Gottes Ruf sie nicht nur zu den Völkern führte, die erreichbar schienen, sondern gerade zu denen, die noch keinen Zugang zur Botschaft Jesu hatten – selbst wenn das bedeutete, den eigenen Schmerz auszuhalten.

Der Kontakt zu den Huaorani kam über eine junge Frau namens Dayuma zustande. Sie war selbst Huaorani, hatte den Stamm jedoch Jahre zuvor verlassen, nachdem enge Angehörige bei internen Stammeskämpfen getötet worden waren. Zuflucht fand sie bei benachbarten Kichwa-Familien, lernte dort Spanisch und hörte das Evangelium.

Dayuma wurde Christin – und schon bevor die Männer 1956 ihren Einsatz begannen, half sie Jim Elliot und seinen Freunden mit ersten Worten und Einblicken in die Huaorani-Sprache. Damit wurde sie zu einer Schlüsselperson für die Vorbereitung der

Einer der Angreifer vom 8. Januar 1956 war Mincaye (auch: Minkaye oder Mincayani geschrieben). Er hatte gemeinsam mit anderen Stammeskriegern die fünf Missionare getötet. Was später geschah, konnte niemand voraussehen: In den Jahren nach dem Vorfall begann Mincaye, sich mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen. Durch den Einfluss von Elisabeth Elliot, Rachel Saint und weiteren Gläubigen, die unter den Huaorani lebten, hörte er vom Leben und der Lehre Jesu. Schließlich entschied er sich, Christ zu werden, ließ sich taufen und wurde Teil der wachsenden christlichen Gemeinschaft im Stamm.

Mincaye übernahm Verantwortung und wurde selbst zu einem Vermittler zwischen Kulturen – aus einem Täter wurde ein Zeuge der Versöhnung.