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Kalenderblatt: Graham Stewart Staines

Am 22. Januar 1999 wurden der australische Missionar Graham Stewart Staines und seine zwei Söhne Philip (10) und Timothy (7) in Orissa (Odisha), Indien, ermordet, als sie in einem Auto im Schlaf lagen. Mitglieder der radikalen hinduistischen Gruppe Bajrang Dal übergossen das Fahrzeug mit Kerosin und setzten es in Brand; die drei verbrannten bei lebendigem Leib.
Bajrang Dal (wörtlich: „Brigade des Bajrangbali“) ist eine indische militante Hindutva-Organisation. Sie bildet die Jugendorganisation des Vishva Hindu Parishad (VHP, world Council of Hindus). Bajrang Dal ist Teil des Sangh Parivar (Sammelbegriff für Hindutva-Organisationen), der vom Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) geführt wird, einer rechtsgerichteten Hindutva-paramilitärischen Organisation. Bajrang Dal wurde am 1. Oktober 1984 im Bundesstaat Uttar Pradesh gegründet. Bajrangbali ist der indische Gott Hanuman, der auch im Logo von Bajrang Dal zu sehen ist. Er wird in dem Hanuman Chalisa besungen, in dem es heißt: „Heil! Heil! Heil! Shri Hanuman! Lass Deinen Sieg über das Böse unerschütterlich und endgültig sein!“ Auch bei den Übergriffen gegen Christen durch Bajrang Dal am Weihnachtsfest 2025 wurde dieser Lobgesang gesungen (Bericht). Bajrang Dal ist eine Schwesterorganisation der regierenden hindu-nationalistischen Indischen Volkspartei (BJP) von Premierminister Narendra Modi.
Staines arbeitete seit 1965 im Bundesstaat Orissa als Teil einer evangelikalen Missionsorganisation mit dem Namen „Mayurbhanj Leprosy Home“. Dort kümmerte er sich um Menschen, die an Lepra erkrankt waren, und betreute die indigene Bevölkerung der Region, die in extremer Armut lebte. Einige Hindutva-Gruppen behaupteten jedoch, er habe in dieser Zeit angeblich viele Hindus durch Täuschung, Verlockung oder Zwang zum christlichen Glauben bekehrt. Die Wadhwa-Kommission stellte fest, dass es keinerlei Beweise für Zwangsbekehrungen gab. Auch Staines’ Witwe Gladys wies die Vorwürfe der erzwungenen Bekehrungen zurück.
Gladys lebte und arbeitete weiterhin in Indien und kümmerte sich um arme Menschen und um von Lepra Betroffene, bis sie 2004 nach Australien zurückkehrte. Im Jahr 2005 wurde ihr für ihre Arbeit in Orissa der Padma Shri verliehen, die vierthöchste zivile Auszeichnung Indiens. Im Jahr 2016 erhielt sie außerdem den Mother Teresa Memorial International Award for Social Justice.
