Aktuelles
Impuls zum Monatsspruch Februar 2026

„Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat“ (5.Mose 26,11).
Dieser Vers steht in einem der liturgischen Blöcke dieses Kapitels. Diese beiden Blöcke werden durch den Satz „Wenn du in das Land kommst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, und es einnimmst und darin wohnst, …“ eingeleitet. Der eine liturgische Block ist für die Darbringung der Erstlingsgaben (Verse 2-11), der andere für die Darbringung im Zehntenjahr (Vers 12-15).
Das Wort, das hier für „Eigentum“ benützt wird, hat nichts mit dem gemein, was wir heute unter Eigentum verstehen. „Erbe“ ist nicht Privateigentum, sondern Familieneigentum. Wir bekommen es von unseren Vorfahren und verwalten es für unsere Nachkommen. Indem er das Land seinem Volk zum Erbe gibt, weist sich Gott als dessen rechtmäßiger Besitzer aus. Was für Israel gilt, gilt für die anderen Menschen nicht minder. „Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen“ (Psalm 24,1).
Die Anbetungstexte für die Darbringung der Erstlingsfrüchte und der Übergabe des gesammelten Zehnten für den Klerus und die Armen sind liturgisch gebunden, denn ihr Inhalt ist wichtig. Er darf nicht verlorengehen. Freilich bestand bei einer darart genau festgeschriebenen Liturgie die Gefahr toter Förmlichkeit. Anbetung ohne Gefühl ist sicher tot und leblos. Anbetung aber ohne Inhalt sinn- und geistlos. Wenn ich wählen müßte zwischen „toter“ Liturgie und „leerer“ Gefühlsdienerei, würde ich mich für die „tote“ Liturgie entscheiden. Denn sie hat – wenn auch nur der Form nach – doch noch das Wort Gottes, das die Toten zum Leben erwecken vermag. Wo aber in der Anbetung nur noch das Gefühl bleibt, gibt es keine Chance zur Erneuerung. Denn nicht das religiöse Gefühl der Menschen, sondern das Wort Gottes ist die Quelle des Glaubens.
So bleibt erhalten, dass das Teilen von Gütern Gottesdienst ist, oder wie Jakobis sich ausdrückt, reine und wahrhaftige Religion: „Wenn jemand meint, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern betrügt sein Herz, so ist sein Gottesdienst nichtig. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten“ (Jakobus 1,26-27).
Es handlt sich bei Jakobus ausdrücklich nicht um eine innere Frömmigkeit, die sich zwar in guten Werken niederschlagen sollte, es aber meist nicht tut. Frömmigkeit in diesem Sinn „greift zu kurz. In allen neutestamentlichen Belegen ist der Wortstamm an ein Tun gebunden. … Der Jakobusbrief betont, dass es gerade darum bei der ‚Frömmigkeit‘ nicht gehe. Ausdrücklich wird der Besuch von Witwen und Waisen als rechte ‚Frömmigkeit‘ bezeichnet (Jakobus 1,27). Wer Taten der Nächstenliebe vollbringt, der dient wahrhaft Gott (Jakobus 2,8). Er wird dem gegenübergestellt, der seine Zunge nicht in Zaum hält, denn dessen vermeintliche ‚Frömmigkeit‘ ist leer (Jakobus 1,26). Dem ‚Wort Gottes‘ wird der Mensch nicht durch Worte gerecht, sondern durch Taten (Jakobus 1,22; Römer 12,1) … Wer dazu physisch in der Lage ist, kommuniziert mit Gott durch seine Taten. Kommunikationsmittel ist dabei ‚das Wort‘, es ist von Gott gegeben und vom Gläubigen zu tun“ (Ostmeyer, Kommunikation, 176).
Quelle: Ostmeyer, Karl-Heinrich: Kommunikation mit Gott und Christus: Sprache und Theologie des Gebetes im Neuen Testament (Band 197 von Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament), 2006.
