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Kalenderblatt: Heinrich August Jäschke

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Am 17.5.1817 wurde Heinrich August Jäschke geboren. Er zeigte eine so ungewöhnliche Begabung, dass er zum Besuch des Pädagogiums (Gymnasiums) in Niesky ein Stipendium erhielt. In der Zeit seiner Ausbildung und den folgenden 20 Jahren als Lehrer lernte er acht Sprachen perfekt.

1856 nahm er den Ruf an, eine in der Provinz Lahul im Westhimalayagebiet errichtete Missionsstation zu leiten und die Bibel ins Tibetische zu übersetzen. Von der ersten Aufgabe, die wegen seiner übermäßigen Bedürfnislosigkeit zu Differenzen mit den Mitarbeitern führte, die sich auch nach Heirat mit der ihm aus Herrnhut zugeschickten Braut wenig mildern ließen, wurde er 1863 wunschgemäß befreit.

Von Anfang an betrieb er mit großer Ausdauer die Erforschung des Tibetischen. Weder die Volkssprache – wegen ihrer Begriffsarmut und Verschiedenheit in den einzelnen Gebirgstälern – noch die vorhandenen Grammatiken und Wörterbücher reichten für die Aufgabe der Bibelübersetzung aus. Zu tieferem Eindringen in die Sprache verhalf ihm ein junger Lama. Durch ihn erwarb er so umfassende Kenntnisse des klassischen Tibetisch, dass er es bald sehr gut beherrschte und als Grundlage für seine Übersetzungsarbeit eine Grammatik und ein Wörterbuch abfassen konnte, die bis heute unübertroffen blieben. Bei der Bibelübersetzung prägte er dem Volke verständliche Worte, wobei er nach Möglichkeit buddhistische Begriffe berücksichtigte. So wählte er für „Gott“ den Ausdruck „das kostbare Ding“. Seine Gründlichkeit hinderte ihn leider, mehr als das Neue Testament und die beiden ersten Bücher Mose zu übersetzen. Dass Jäschke die an Sanskrit angelehnte Hochsprache verwendete, machte eine vorausgehende Alphabetisierung nötig. Einer der ersten Herrnhuter Tibetmissionare, August Wilhelm Heyde, kritisierte deshalb Jäschkes Ansatz und forderte und förderte Übersetzungen in Volkssprachen (Taube, Manfred: Zu den ältesten Übersetzungen der Herrnhuter Brüder; https://ladakhstudies.org/wp-content/uploads/2018/03/rrol3_06_taube.pdf. S. 62.).

Bereits 1868 musste Jäschke krankheitshalber nach Europa zurückkehren, vorn wo aus er die weitere Übersetzungsarbeit durch seine Nachfolger Redslob und August Wilhelm Heyde begleitete (_____: Gottes Wort in Tibet, in: Bibelblätter der Bibelgesellschaft zu Basel, Nr. 1, 1892: 1-12. S. 11-12).

Außer zahlreichen Lehrbüchern für Tibeter verfasste er auch einige Abhandlungen über die Phonetik des Tibetischen, die Richard Lepsius in den Monatsberichten der Berliner Akademie der Wissenschaften veröffentlichte. Die Bedeutung des äußerst bescheidenen Gelehrten erkannte man erst nach seinem Tode 1883 (https://www.deutsche-biographie.de/gnd117059838.html#ndbcontent; Sommerschuh, Christine: Einführung in die tibetische Schriftsprache: Lehrbuch für den Unterricht und das vertiefende Selbststudium, 2018. S. 66).

Heute sind neben anderen eine ältere, aber immer noch verständliche Übersetzung von Yoseb Gergen (1935/1948) und die moderne Übersetzung New Tibetan Bible (NTB) tibetischer Übersetzer im Gebrauch.