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Impuls zum Monatsspruch Juni 2026

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„Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein, vergesst nicht! Denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt!“ (Hebräer 13,1-3).

„Die brüderliche Liebe bleibe“: „Bleiben“ ist ein Fachwort des Hebräerbriefschreibers, mit dem er den Unterschied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament beschreibt. Der Hohepriester Jesus bleibt im Gegensatz zu den Hohepriestern des Alten Testaments (Hebräer 7,3.24), das Hoffnungsgut der neutestamentlichen Gemeinde bleibt (Hebräer 10,34); es kann nicht erschüttert werden (Hebräer 12,27). Deshalb sollen sich Christen nicht nach Jerusalem mit dem alten Tempel als das Zentrum der Religion des Alten Testaments ausrichten, sondern nach dem kommenden, bleibenden Jerusalem (Hebräer 13,14). Die brüderliche Liebe gehört zu den Gaben des Neuen Testaments und bleibt als göttliche Gabe (1.Thessalinicher 4,9) ewig bestehen.

„Brüderliche Liebe“ ist ein Gemeindefachwort. Es kommt weder in den Evangelien noch im Alten Testament vor. Es besteht ein Zusammenhang zur allgemeinen Liebe (agape) (1.Petrus 1,22), den Petrus genauer beschreibt: „Aus der Verehrung für Gott kommt die Bruderliebe und aus der Bruderliebe die Liebe zu allen Menschen“ (2.Petrus 1,7). Damit werden drei Kreise der Liebe beschrieben: Im Zentrum steht die Liebe zu Gott, aus ihr quilt die zu den Mitchristen, aus der die zu allen Menschen. Petrus greift damit (im Einklang mit der gesamten Ethik des Neuen Testaments) das Doppelgebot der Liebe auf, das auch an die erste Stelle die Liebe zu Gott und an die zweite Stelle die Liebe zu den Glaubensgenossen (Nächsten) stellt. Dass die Liebe zu den Mitchristen vor der Liebe zu den anderen Menschen zu kommen habe, was aber keinesfalls die Liebe zu den anderen ausschließt, schreibt auch Paulus: „Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“ (Galater 6,10). Aus der Liebe zu den Mitchristen kommt die zu allen Menschen. Was in der Gemeinde nicht einstudiert wird, kann an der Welt nicht geübt werden (frei nach Heiko Krimmer).  Merkmale sind die Herzlichkeit und die Ehrerbietung dem anderen Christen gegenüber (Römer 12,10). Petrus nennt die Bruderliebe zusammen mit einer gleichen Gesinnung, der Gemeinschaft im Leiden, dem Erbarmen und der Selbsterniedrigung (1.Petrus 3,8). Um zur Bruderliebe fähig zu sein, bedarf es eines durch „Gehorsam der Wahrheit“ gereinigten Gefühlslebens; die Gefühle dürfen nicht herrschen, sondern müssen der Wahrheit unterstellt werden (1.Petrus 1,22).

Die brüderliche Liebe hat zwei konkrete Formen: die Gastfreundschaft und die Fürsorge für Gefangene und Misshandelte (Verse 2-3). Wie Vers 1 zeigt gehört die Gastfreundschaft und der Gefangenendienst hinein in den Rahmen der Bruderliebe. Das zeigt, wie sehr Mission und Martyrium (Gefangenschaft, Folter) zum Alltag der ersten Christen gehörten:

Gastfreundschaft bedeutet nicht in erster Linie das „offene Haus“ oder das „Haus der Geselligkeit“, sondern das Quartier für reisende Evangelisten.

Die Fürsorge für Gefangene und Gefolterte bis in den finanziellen Ruin hinein gilt denen, die um des Evangeliums willen verfolgt werden. „Das Schicksal des Bruders soll meine eigenes sein“ (Otto Michel). Der finanzielle Ruin durch Konfiszierung ihrer Güter war für die ersten Christen ertragbar, weil das „bleibende Gut“ für sie keine jenseitige, vergeistigte Sache, sondern etwas Konkretes war (Hebräer 10,34).