Aktuelles
Gaza: Eine Reise von der Hamas zum Friedefürsten

In einem bemerkenswerten Zeugnis aus einer der unruhigsten Regionen der Erde beschreibt Juman Al Qawasmi, wie ein einziges Gebet und eine nächtliche Begegnung ihre lebenslange ideologische Prägung erschütterten.
Ihre Identität war einst untrennbar mit den Grundsätzen der Hamas verbunden. Ihr Vater war Gründungsmitglied der Organisation und ihr soziales Umfeld in Gaza war geprägt von den strengen, oft gewalttätigen Vorschriften der Gruppe.
Von klein auf war sie in eine Kultur eingetaucht, die Christen und Juden durch die Brille eines vererbten Hasses betrachtete. „Wir dachten, wir täten Gottes Willen“, erinnert sie sich. Doch nachdem die Hamas im Jahr 2007 die Kontrolle über den Gazastreifen übernommen hatte, vergrößerte sich die Kluft zwischen dem versprochenen religiösen „Frieden“ und der Realität politischer Angst, was Juman in einen Moment spiritueller Verzweiflung führte.
Das „gefährliche Gebet“
Trotz ihres hohen Ansehens innerhalb der Bewegung beschreibt Juman ein Leben, das von chronischer Angst und der Furcht geprägt war, niemals „genug zu tun“, um Gott zufriedenzustellen. Diese innere Krise gipfelte in einer einfachen, ehrlichen Bitte: „Gott, wenn du existierst, möchte ich dich kennenlernen.“
Die Antwort kam in jener Nacht in einem Traum, den Juman als lebensverändernd beschreibt. Eine Gestalt, die sie als Jesus identifizierte, sprach zu ihr in ihrer Muttersprache, dem Arabischen. Es waren keine Vorwürfe über ihre Vergangenheit, sondern ein Angebot der Annahme: „Du bist meine Tochter. Hab keine Angst.“ Juman beschreibt, wie sie mit einem Gefühl des Friedens erwachte, das ihr der Islam nicht gegeben hatte – ein Frieden, der ihr geschenkt wurde und den sie nicht durch Unterwerfung oder Rituale hatte verdienen müssen.
Der Preis einer neuen Identität
Für jemanden in Jumans Lage war die Nachfolge Christi nicht bloß ein Meinungswechsel, sondern ein völliger Bruch mit ihrer Familie, ihrer Kultur und ihrer körperlichen Sicherheit.
Sie musste ein Leben lang verinnerlichte Lehren verlernen, die ihren Wert anhand von politischem und religiösem Widerstand definierten. Im Kontext von Gaza wird die Bekehrung zum Christentum oft als der ultimative Verrat sowohl an der Familie als auch an „der Sache“ angesehen. Juman betont, dass sie nicht von einer Institution oder einer Kampagne „rekrutiert“ wurde. Ihre Verwandlung war das Ergebnis, dass sie von einem Gott „gefunden“ wurde, den sie gerade erst zu suchen begonnen hatte.
Ein Muster im Nahen Osten
Jumans Geschichte ist Teil eines „stillen Musters“, von dem Leiter von Missionswerken in der gesamten muslimischen Welt berichten. Vom Iran bis nach Gaza berichten Menschen von direkten Begegnungen mit Christus in Träumen. Oft wird dabei von „ISA“ (dem arabischen Namen für Jesus) gesprochen, der als Mann in Weiß erscheint.
In Kulturen, in denen öffentliche Evangelisation illegal oder gefährlich ist, bieten Träume eine private und souveräne Brücke für die spirituelle Suche. Die Bewegung wird größtenteils von Menschen getragen, die sich angesichts der Gewalt in der Region tiefgreifende Fragen über das Wesen Gottes stellen.
Jenseits des Hasses
Heute steht Jumans Leben als lebendiger Widerspruch zu dem Kreislauf der Gewalt, der ihre Heimat prägt. Ihre Geschichte ist eine ernüchternde Erinnerung daran, dass keine Ideologie so fest verankert ist, dass sie nicht von einer Botschaft des Mitgefühls durchdrungen werden könnte. An einem Ort, an dem das Gesetz „Unterwirf dich oder leide“ galt, hörte Juman einen anderen Auftrag: „Gehöre dazu und sei im Frieden.“
