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Gerhard Maier: Teilhabe an der Mission ist „geheimnisvolles Privileg der Gnade Gottes“

Am 4. April 2026 ist der frühere württembergische Landesbischof Prof. Dr. Gerhard Maier im Alter von 88 Jahren verstorben. Er leitete die Evangelische Landeskirche in Württemberg von 2001 bis 2005.
Dr. Gerhard Maier wurde 1937 in Ulm geboren und wuchs dort auf. Er studierte in Tübingen Theologie und Jura und arbeitete danach drei Jahre als Pfarrer in Baiersbronn. Anschließend wurde er im Albrecht-Bengel-Haus in Tübingen Studienleiter und arbeitete von 1980 bis 1995 als dessen Rektor. Von 1971 bis 1977 und 1983 bis 1995 war er Mitglied der Württembergischen Evangelischen Landessynode im Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“, bis er 1995 Prälat von Ulm wurde. Zum Landesbischof wurde Gerhard Maier 2001 gewählt, als seine Erfahrung und Integrationskraft gefragt war. Als Bischof war sein Leitsatz: „Bischof für alle, nicht ein Bischof für alles.“ Lange Jahre engagierte er sich im Landesbrüderrat des Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes (heute: Die Apis – Evangelischer Gemeinschaftsverband in Württemberg), im Vorstand des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT), im Vorsitz der Deutschen Indianer-Pionier-Mission (DIPM), im Kuratorium von ProChrist und im Hochschulrat der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL).
Neben seiner Leidenschaft für eine bibeltreue Hermeneutik war Gerhard Maier leidenschaftlich für Mission engagiert. In seinen autobiografischen Streiflichtern schrieb er:
„Mission ist nicht erloschen. manchmal suchte mich direkt die Versuchung heim, hauptamtlicher Missionsleiter bei unserer Mission zu werden. Im Grunde habe ich mit der Erwähnung dieser Reise ein weiteres Feld betreten. Es ist der Anteil, den wir an der christlichen Mission genommen haben und auch von ihr empfangen haben. Dieser Anteil bezog sich zunächst auf Südamerika, erstreckte sich über den Missionszweig des Bengel-Hauses und der Stipendiaten, aber allmählich auf sämtlichen Kontinente. Diese Teilnahme an der Mission über 40 Jahre hinweg – Prälatur und Bischofsamt eingerechnet – gehört zu den geheimnisvollen Privilegien der Gnade Gottes in unserem Leben.“
Mission muss theologisch verankert sein, sonst ist sie nicht wirklich Mission. Theologie muss der Mission verpflichtet sein, sonst ist sie nicht wirklich Theologie. Dieses Aufeinander-Bezogensein von Theologie und Mission war bei Gerhard Maier lebendig, wie bei einer Predigt 2008 zu Johannes 20,21-23 deutlich wurde. Einige Kerngedanken:
„Jesus zielt […] auf zwei Punkte, […] er zielt innerlich auf den Frieden und er zielt nach außen auf die Sendung. Friedlose Leute können nicht missionieren. Sie können wohl etwas weitergeben und Gott kann auch aus unseren krummen Linien noch etwas machen, aber die Voraussetzung, die Jesus hier anspricht, ist schon dieses: wir sollen im Frieden gehen, wenn wir in die Mission und zur Mission kommen. Es ist meine alte Erfahrung: jede Bekenntnisbewegung, die nicht zu einer Erweckungsbewegung wird, wird am Ende in einer Sackgasse sein. Was wir brauchen, ist immer wieder das Neuerwecktwerden von Gott und durch Gottes Geist. Frieden – was umschließt dieses Wort? Ich kann nur ein paar von diesen Dimensionen ansprechen: Es ist doch ein Ja zu den Führungen Gottes, so wie die Jüngerschaft damals zu Kreuz und Auferstehung und der Aufgabe der Mission ein Ja finden musste, ein Ja zu den Führungen Gottes. Das betrifft uns aber auch sehr persönlich. Ich hoffe, dass sie alle mit ihrer Lebensführung durch Gott einverstanden sind. Wenn nicht, dann bitten Sie um diesen Frieden.“
„Und das zweite, was ich ansprechen möchte, das Modell unserer Sendung. Es ist so einfach. […] ‚Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch.‘ Ja, wie wurde der Sohn gesandt? Ohne Schwert, im Unterschied zu Mohammed, ohne Recht, er war Flüchtling, ohne imponierende Schönheit und Gestalt, so sagt es Jesaja 53: ‚An ihm war keine Gestalt und Schönheit.‘ Ohne suggestive Rednergabe. Hatte er auch nicht. Aber mit engster Gottesverbindung. Die Evangelien zeigen uns Jesus immer wieder als Beter. Und mit der größten Menschenliebe, ‚dass er diene und gäbe sein Leben zu einer Erlösung für viele‘. Engste Gottesverbindung, größte Menschenliebe, gibt es ein Drittes? Ich denke, man muss noch ein Drittes dazu sagen: Eingeordnet in Israel. ‚Von einer Frau geboren und unter das Gesetz getan.‘ […] Wir brauchen die[se] Einordnung. Eine Mission, in der es keine Einordnung mehr gibt, wird versanden wie ein Strom in der Wüste. ‚So sende ich Euch.‘ Das ist unser Modell. Das ist unser Vorbild, diese Sendung Jesu. Ein einfaches Schicken, kein großartiges Wort steht da, ein ganz schlichtes Wort im Urtext. Nicht die großen Gaben entscheiden, sondern Gebet und Retterliebe und die Einordnung.“
Quellen:
Maier, Gerhard: Streiflichter meines Lebens: Ursprünglich sollte Gott gar nicht vorkommen, 2019.
