Aktuelles
Impuls zum Monatsspruch April 2025: Haerts on Fire

Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?
Lukas 24,32
Das Herz ist in der Begrifflichkeit der Bibel nicht der Ort der Gefühle, sondern (unter anderem) der Ort des Denkens, Wollens und Planens. Das Brennen der Herzen kam von der Schrift, die Jesus seinen Jüngern öffnete. Im Zentrum seiner Predigt stand das kleine Wörtchen „musste“ (dei). Das Verb beschreibt im säkularen Sinn das Gesetz von Ursache und Wirkung (Joh 4,4; Apg 1,21; 19,36; 27,21.26; Röm 1,27; 2Ko 2,3; Heb 9,26), dann auch im besonderen Sinn die Normsetzung für ethisches Verhaltens (Mat 18,33, 23,23; 25,27; Mar 13,14; Luk 2,49; 11,42; 12,12; 13,14.16; 15,32; 18,1; 22,7; Joh 4,20; Apg 5,29; 15,5; 20,35; 26.9). Auch wenn von der Macht eines weltlichen Herrschers gesprochen wird, mit der er seinen Willen durchsetzt, wird dieses Wort gebraucht (Apg 24,19; 25,10.24).
Aber darüber hinaus wird es zum Fachwort die Macht des göttlichen Willens. Weil Gott alle Macht hat und über alle Weisheit verfügt, muß unweigerlich geschehen, was er will. Das Verb dei ist Fachwort für das, was Gott fügt und deshalb kommen „muss“.
In diesem Sinn finden wir dieses Fachwort an folgenden Stellen:
Gott hat einen Plan zur Errettung der Welt, den er mit großer Macht durchführt, ohne sich davon in irgend einer Weise abbringen zu lassen (Offb 1,1; 4,1; 17,10; 20,3; 22,6). Dazu gehören Einzelziele, wie auch das große Hauptziel. Einzelziele für den großen Plan:
- dass die Menschheit dahingegeben wurde und sie sich selbst das Gericht bereitet (Röm 1,27),
- dass Gott bestimmt, dass Sünde durch Opfer gesühnt wird (Heb 9,26),
- was auch dazu führt, dass in der Gemeinde Spaltungen entstehen (1Ko 11,19),
- das Kommen des Elia vor dem des Messias (Mat 17,10; Mar 9,11), und sein Abgang (Joh 3,30),
- die Verkündigung des Evangeliums in allen Städten (Luk 4,43), besonders bei Zachäus (Luk 19,5),
- die Reise nach Jerusalem (Luk 13,33),
- ja überhaupt alles, was Jesus tat (Joh 9,4).
- die Himmelfahrt (Apg 3,21),
- die Vereinigung von Juden- und Heidenchristen (Joh 10,16),
- Kriege und Kriegsgeschrei (Mat 24,6; Mar 13,17; Luk 21,9),
- die Verkündigung des Evangeliums unter allen Völkern vor dem Ende (Mar 13,10),
- das Ende dieser Welt (2Pe 3,10-11).
Im Zentrum des göttlichen Willens steht das Ziel der Sendung seines Sohnes, sein Leiden und Sterben und Auferstehen (Mat 16,21; Mar 8,31; Luk 9,22; 17,25; 24,7.26; Joh 3,14; 12,34; 20,9; Apg 1,6; 17,3) und sein Regieren (1Ko 15,25). Diesem Ziel darf sich nichts entgegensetzen, auch nicht das wohlgemeinente Eingreifen des beherzten Petrus. Er will mit der Macht der Waffe durchsetzen, was er für den Willen Gottes hält und muss lernen, dass Gott seinen Willen durch die Macht der Liebe durchsetzt (Mat 26,54).
Das Mittel, durch das Gott seinen Willen durchsetzt, ist sein Wort. Deshalb wird immer wieder auf die Erfüllung der Heilige Schrift verwiesen, wenn es darum geht, dass Gott seinen Willen unweigerlich durchsetzt (Luk 22,37; 24,26.27.44; Apg 1,16).
Christen brauchen wie damals die Jünger aus Emmaus das Wort Gottes, damit sie Gottes großen Plan erkennen, der die herzen in Brand setzt. Sie brauchen das Wort Gottes, damit sie ihr Leben gemäß der Heilsgeschichte, gemäß des Willens Gottes leben und nicht „am Ziel vorbeitreiben“ (Heb 2,1). Sie sind dazu aufgerufen, ihren Platz im Rahmen dieser großen Heilsgeschichte anzunehmen. Das gibt dem menschlichen Willen, seinem Herzen, Ziele, die sie in Brand setzen. Das erinnert an die großartige Definition für Evangelisation von David Bosch:
Evangelisation ist
die Dimension
und Aktivität der Kirche, die
durch Wort
und Tat,
und im Licht bestimmter Bedingungen und eines bestimmten Kontextes
jedem Menschen
und jeder Gemeinschaft
überall
eine echte Gelegenheit bietet,
direkt zu einer radikalen Umorientierung des
Lebens herausgefordert zu werden:
einer Umorientierung, die Dinge beinhaltet wie
Befreiung von der Sklaverei der Welt und ihrer Mächte;
Annahme Christi als Retter und Herr;
Aufnahme in Christi Gemeinschaft, die Kirche, als lebendiges Glied;
Beauftragung zu Christi Dienst der Versöhnung, des Friedens und der Gerechtigkeit in dieser Welt;
Hingabe an Gottes Plan, nach dem er alle Dinge unter Christi Herrschaft stellt (Bosch, David J.. Transforming Mission: Paradigm Shifts in Theology of Mission. Maryknoll: Orbis, 1991. S. 420).
Martin Heißwolf