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Impuls zum Monatsspruch März 2026

Der Monatsspruch für März 2026 ist sehr kurz: „Jesus weinte“ (Johannes 11,35). Natürlich stellt sich sofort die Frage, warum er denn weinte. Er wusste doch, was Minu-ten später passieren sollte. Er ging nicht zum Grab, um zu trauern, sondern um seine Macht über den Tod zu bewei-sen. Warum ging er nicht mit einem inneren Lächeln zum Grab: „Na wartet, was ihr gleich erleben werdet!“
Warum weinte Jesus? Die Verse 33 und 38 erklären es uns: „Als Jesus sah, wie Maria weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, ergrimmte er im Geist und wurde sehr betrübt … Da ergrimmte Jesus aber-mals in sich selbst und kam zum Grab.“
Das griechische Wort, das Martin Luther sehr treffend mit „ergrimmen“ übersetzt hat, ist ein lautmalendes Wort. Es ahmt das Schnauben eines Pferdes nach und bedeutet „schnauben, brüllen, drohen, zürnen.“ Dieses Wort kommt nur fünfmal im Neuen Testament vor, zweimal eben hier, zweimal an Stellen, wo Jesus Menschen bedrohte (Mat-thäus 9,30; Markus 1,43), einmal fahren die Jünger eine Frau an, die Jesus etwas Gutes tun wollte (Markus 14,5).
Wir bekommen hier ein sehr lebendiges Bild von den Ge-fühlen, die Jesus bewegten, mehr noch, die ihn nur so schüttelten. Tiefste Trauer, schmerzliches Mitleid und ein schrecklicher Zorn, wie nur Gott ihn haben kann. Und wie nur Gott ihn beherrschen und einhalten kann. Ausdrück-lich heißt es, dass er „in seinem Geist“ (Vers 33), oder „in sich selbst“ (Vers 38) ergrimmte. Wir wissen nicht, ob er nur aus Trauer über das Leid seiner Freunde weinte, oder auch über das Leid, das der Tod über die ganze Welt bringt. Oder ob er vor lauter Zorn weinte. Wahrscheinlich beides.
Gott ist kein apathischer Gott. Das Wort „Apathie“ bedeu-tet in der griechischen Philosophie die Leidensunfähigkeit. Man sagte damals, die Götter seien leidensunfähig, sie könnten gar nicht leiden. Wie anders ist unser Gott! Er kann leiden und er leidet mit seinen geliebten Menschen. Er kann Schmerz empfinden und der Schmerz seiner ge-liebten Menschen tut ihm weh.
Aber das ist nicht alles, was er für uns tun kann und will. Er ist nicht nur der „machtlose Retter“ des japanischen Schriftstellers Shūsaku Endō, der behauptete, sein einziges rettendes Werk bestand darin, dass er mit uns mitlitt. Jesus stand nicht nur vor Zorn bebend und weinend, letztlich aber ohnmächtig vor dem Grab, sondern er hatte die Macht, Lazarus zurück ins Leben zu rufen. Und Jesus war auf dem Weg zum Kreuz. Gerade dieses Wunder gehört zur Passionsgeschichte, denn eben wegen dieses Wunders be-schloss der Hohe Rat, ihn zu töten (Verse 46-53). Und eben am Kreuz hing er nicht nur ohnmächtig, sondern er be-siegte dort den Tod. WEIL er dort starb, konnte ihn der Tod nicht mehr halten, wurde er als der Herr über alles, auch über den Tod, erhöht, wurde er als der Erste der neuen Schöpfung auferweckt, von der es heißt, dass der Tod nicht mehr sein wird.
Buchhinweis: Keller, Timothy: Über den Tod: In Sterben und Tod die Hoffnung behalten, 2023; unter „Trauern“.
