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Kalenderblatt 31.5.1792: William Carey hält seine „unsterbliche Predigt“

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Der Schuster William Carey war stets bestrebt, sich selbst neue Dinge beizubringen. Durch den Dienst von Dissentern (englische Christen, die außerhalb der offiziellen Kirche von England wirkten) kam er zum Glauben. Sofort erkannte er, dass auch andere Christus brauchten. Er begann zu predigen und bemühte sich noch stärker, sich selbst weiterzubilden, ging hungrig zu Bett – und ließ seine Familie leiden –, damit er sich Bücher kaufen konnte. Er wurde baptistischer Pastor.

Die Lektüre von Captain Cooks Reisen weckte in ihm ein Herz für die Weltmission. Die Menschen, über die Cook schrieb, brauchten Christus. Zu jener Zeit taten Protestanten wenig, um das Evangelium weltweit zu verbreiten. Hans Egede in Grönland, die Herrnhuter in Westindien, David Brainerd und John Eliot in Amerika hatten Anstrengungen unternommen, doch die reformatorische Kirche insgesamt blieb untätig.

Doch als William sich für die Mission aussprach, reagierte ein älterer Pastor mit einem vernichtenden Tadel: „Junger Mann, setzen Sie sich: Wenn es Gott gefällt, die Heiden zu bekehren, wird er es ohne Ihre Hilfe oder meine tun.“

William setzte sich an jenem Anlass zwar hin, aber er lehnte sich nicht zurück. Er war die Art von Mensch, die, sobald sie etwas beginnt, es auch zu Ende bringen muss. Er sammelte Fakten und Statistiken, biblische Gebote und vernünftige Argumente, die die Haltung derjenigen widerlegten, die meinten, die Kirche solle nichts tun. Das Ergebnis war ein Buch mit dem Titel An Enquiry into the Obligations of Christians to Use Means for the Conversion of the Heathen.

An diesem Tag, dem 31. Mai 1792, sprach er um zehn Uhr morgens auf einer Konferenz in Nottingham zu seinen baptistischen Mitbrüdern. Andrew Fuller, sein engster Freund, beschreib seine Predigt als „very animated and impressive“. Sie sollte als „Deathless Sermon“, die „unsterbliche Predigt“ bekannt werden. „Unsterblich“ ist vor allem der eine, sicher überlieferte Satz in seiner Erweiterung: „Expect great things from God! Attempt great things for God!” – „Erwartet Großes von Gott“ Wagt Großes für Gott!“

Als Predigttext wählte Carey Jesaja 54,2-3: „Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnstatt; spare nicht! Spann deine Seile lang und stecke deine Pflöcke fest! Denn du wirst dich ausbreiten zur Rechten und zur Linken, und deine Nachkommen werden Völker beerben und verwüstete Städte neu bewohnen.“

John Ryland, Jr., der wichtigste Zeitzeuge, kommentierte: „Wenn alle Menschen ihre Stimmen erhoben und geweint hätten, dann hätte das nur dem Anlass entsprochen. So deutlich bewies Herr Carey die Schuldhaftigkeit unserer Trägheit in der Sache Gottes!“ Doch seine Zuhörer schienen gleichgültig zu sein. Bei ihrer Versammlung am nächsten Tag sagten sie, das Vorhaben sei zu groß für sie. Carey packte Fuller am Arm und fragte in tiefer Bestürzung, ob sie nun wieder auseinandergehen wollten, ohne etwas zu tun. Dieses letzte Flehen gab den Ausschlag. Die Versammlung brachte einen Beschluss ein, Pläne zur Gründung einer Baptistischen Missionsgesellschaft (Gründung 2.10.1792) auszuarbeiten. Andrew Fuller wurde ihr erster Sekretär, William Carey ihr erster Missionar. Carey soll zu ihm gesagt haben: „I will go down into the pit, if you will hold the rope.“

Man kann über Carey und seinen Anstoß zur „modernen Missionsbewegung“ denken, wie man will. Er wird meiner Meinung nach über die Maßen kritisiert. Dass seine Bewegung in später dem triumphalistischen, nationalistischen und kolonialistischen Geist der Aufklärung folgte, ist schwerlich Careys Schuld. Sein Verdienst ist, dass er die Christen aus dem Schlaf der Selbstgefälligkeit erweckte.